Seit gut zwanzig Jahren werden Websites für zwei Zielgruppen gebaut: Menschen und die Suchmaschinen-Crawler, die Menschen schicken. Jetzt gibt es eine dritte. KI-Assistenten lesen Ihre Seiten, um Fragen zu beantworten, Anbieter zu vergleichen und zunehmend auch Aufgaben im Auftrag von jemandem zu erledigen. Einige der wichtigsten Besuche auf Ihrer Website kommen in diesem Jahr von Software, die Ihr Design nie zu sehen bekommt.
Wie sich die Customer Journey verändert
Überlegen Sie, wie jemand heute einen Hubwagen, eine Kanzlei oder einen Hosting-Anbieter recherchiert. Viele beginnen nach wie vor mit einer Suchmaschine. Aber immer mehr fragen stattdessen einen Assistenten: Fass die Optionen zusammen, vergleiche diese drei Anbieter, sag mir, welcher unterstützt, was ich brauche. Der Assistent liest die Websites und präsentiert seine Antwort. Der Käufer besucht danach vielleicht die Website des Gewinners, vielleicht aber auch keine einzige.
Agentisches Browsen geht noch einen Schritt weiter. Assistenten können inzwischen Seiten öffnen, Formulare ausfuellen und mehrstufige Abläufe durchlaufen. Ihr Kontaktformular, Ihr Produktkonfigurator oder Ihre Angebotsanfrage wird also möglicherweise von einem Agenten ausgefuellt, der für einen echten Kunden handelt.
Nichts davon ersetzt menschliche Besucher. Aber es schiebt eine Ebene zwischen Sie und Ihre Kunden, und diese Ebene belohnt eine ganz bestimmte Art von Website.
Womit KI-Leser Probleme haben
Assistenten sind gut darin, Text zu lesen, und erstaunlich schlecht darin, zu raten. Informationen, die nur in einem Bild, einem PDF hinter einem Formular, einem erst per Klick geladenen Tab oder einer raffinierten Animation stecken, kommen beim Assistenten oft schlicht nicht an. Stehen Ihre wichtigsten Spezifikationen nur in einem herunterladbaren Datenblatt, erzählt ein Assistent einem Käufer womöglich, dass Sie sie gar nicht veröffentlichen.
Auch Unklarheit schadet. Steht auf Ihrer Preisseite "Kontaktieren Sie uns" und bei einem Wettbewerber "ab 49 Euro im Monat", können Sie sich denken, wer es in den Vergleich schafft. Beschreiben drei Seiten Ihre Leistung auf drei verschiedene Arten, muss sich der Assistent für eine entscheiden, und es ist nicht unbedingt die, die Sie wählen würden.
Dann sind da noch Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Automatisierte Besucher sind ungeduldiger als Menschen. Seiten, die auf aufwendiges clientseitiges Rendering angewiesen sind, Cookie-Banner, die den Inhalt verdecken, und Formulare, die nur mit einem perfekt platzierten Klick funktionieren, sind genau die Stellen, an denen ein Agent aufgibt und zum nächsten Anbieter weiterzieht.
Was hilft und was im Weg steht
Agentenfreundlich
- Wichtige Fakten als echter Text auf der Seite
- Sauberes, semantisches HTML, serverseitig gerendert
- Strukturierte Daten zu Produkten, Leistungen und Unternehmen
- Formulare mit klaren Beschriftungen, per Tastatur bedienbar
Agentenfeindlich
- Spezifikationen in Bildern oder geschützten PDFs
- Inhalte, die erst nach dem Ausführen von Skripten erscheinen
- Texte, die nie einen Preis, eine Spezifikation oder einen Standort nennen
- Interaktionen, die auf Hover, Ziehen oder eigenen Widgets beruhen
Die gute Nachricht: Es ist vor allem gutes Engineering
Derzeit gibt es viel Lärm rund um die Optimierung für KI, und einiges davon ist Schlangenöl. Das meiste, was eine Website für KI-Assistenten gut funktionieren lässt, ist genau das, was sie schon für Suchmaschinen, Screenreader und Menschen mit langsamer Verbindung gut gemacht hat: schnelle, serverseitig gerenderte Seiten, saubere Überschriften, barrierefreie Formulare, strukturierte Daten und Inhalte, die klar sagen, was sie meinen.
Falls Sie Arbeiten an der Barrierefreiheit bisher aufgeschoben haben, ist das ein weiterer Grund, sie anzugehen. Dieselbe semantische Struktur, die einem Screenreader die Navigation erleichtert, hilft auch einem Agenten beim Verstehen. Wer das eine behebt, behebt meist auch das andere.
Ein paar neuere Entwicklungen sind einen Blick wert. Konventionen wie eine llms.txt-Datei geben Assistenten eine Übersicht Ihrer Website im Klartext. Protokolle wie das Model Context Protocol gehen weiter und erlauben es, etwa einen Produktkatalog oder Verfügbarkeiten direkt für KI-Tools bereitzustellen, strukturiert und unter Ihrer Kontrolle. Für Unternehmen mit grossen Katalogen oder Händlernetzwerken ist vor allem Letzteres spannend: Statt darauf zu hoffen, dass ein Assistent die richtige Zahl von der richtigen Seite ausliest, geben Sie ihm die richtige Zahl direkt.
Wo Sie anfangen
Dafür brauchen Sie keinen Relaunch. Ein paar praktische Prüfungen verraten Ihnen schon viel darüber, wie Ihre Website für einen KI-Leser aussieht:
- Ohne JavaScript laden. Deaktivieren Sie Skripte und öffnen Sie Ihre wichtigsten Seiten. Was dabei verschwindet, ist für manche Agenten vermutlich ebenfalls unsichtbar.
- Fakten aus Dateien holen. Wenn Spezifikationen, Preise oder Einsatzgebiete nur in PDFs oder Bildern stehen, bringen Sie sie als Text auf die Seite.
- Strukturierte Daten ergänzen. Schema-Markup für Ihr Unternehmen, Ihre Produkte, Leistungen und FAQs liefert Assistenten eindeutige Fakten zum Zitieren.
- Formulare auf die harte Tour testen. Fuellen Sie sie nur mit der Tastatur aus. Wenn das mühsam ist, hat auch ein Agent Probleme.
- Die Assistenten fragen. Fragen Sie einige verbreitete KI-Tools nach Ihrem Unternehmen und Ihren Wettbewerbern. Notieren Sie, was falsch ist, und verfolgen Sie es zu Ihren Inhalten zurück.
Einmal gebaut, von allen gelesen
Es ist verlockend, das als einen weiteren Kanal zu betrachten, für den man optimieren muss. Wir sehen es anders. Eine Website, die schnell, gut strukturiert, klar in ihren Fakten und für alle zugänglich ist, funktioniert für Menschen, Suchmaschinen und KI-Assistenten gleichermassen. Genau so eine Website lohnt es sich ohnehin zu bauen.
Erfolgreich werden hier nicht die Unternehmen sein, die jedem neuen KI-Trick hinterherlaufen. Sondern die, deren Websites von Anfang an ordentlich gebaut wurden.